Erschöpfung bei der Pflege Deines Angehörigen

Die Betreuung von Angehörigen ist ein ständiges Auf und Ab.

An einem Tag denkst Du: “Ich mag nicht mehr. Wie soll ich das bloss alles schaffen?” Diese Frage kenne ich nur zu gut. Ich habe sie mir bei der Pflege meiner Mutter auch gestellt.

Am nächsten Tag läuft alles wieder besser und die Frage hat sich selbst beantwortet. Du schaffst es und bist glücklich darüber. Auch das kenne ich aus eigener Erfahrung.

Wichtig ist, dass Du die Situationen nimmst, wie sie kommen und das Beste daraus machst.

Doch was ist, wenn Du Dich mit den Jahren immer erschöpfter fühlst? Wenn dieses Gefühl häufiger auftaucht und Deinen Alltag beherrscht?

Dann ist der Zeitpunkt, an dem Pflege zur Last wird und zur Dauerbelastung führt.

Was kannst Du tun, um Dich wieder hochzuschrauben?

Der Knackpunkt ist:

  • Du selbst und Deine eigenen Bedürfnisse rücken immer weiter in den Hintergrund.
  • Du stellst Dich immer mehr zurück und
  • nimmst Dir keine freie Zeit für Dich selbst.
  • Du bist in einer 24-Stunden-Dauerschleife.

Alles dreht sich um Deinen Angehörigen. Es geht irgendwie, doch Du funktionierst nur noch.

Überleg mal bitte jetzt, wie es früher war. Vor der Pflege. Erinnerst Du Dich?

  • Was hast Du in Deiner freien Zeit mit Dir selbst unternommen?
  • Auf was hast Du geachtet?
  • Was ist Dir für Dich selbst wichtig gewesen?
  • …?

Im Moment findest Du keine Zeit dafür. Du hetzt von einer Aufgabe zur nächsten. Immer ist Hektik. Schnell einkaufen und schnell wieder nach Hause. Immer mit dem schlechten Gefühl im Nacken, das etwas passiert sein könnte.

Die Angst ist Dein ständiger Begleiter geworden. Sie ist immer dabei. Auch wenn Du alleine etwas unternimmst. Glaub mir, Angst ist ein schlechter Begleiter im Alltag.

Angst macht Stress.

Du könntest natürlich jemanden bitten, Dich mal für zwei oder drei Stunden abzulösen und zu vertreten. Doch ich wette, du tust es nicht. Richtig? Du denkst: “Ach, dass schaffe ich schon. Das lohnt sich doch nicht. Ich mache das lieber selbst.” Du hast ein schlechtes Gefühl, wenn Du jemand fragst. Du willst niemandem zur Last fallen.

Und wieder einmal machst Du alles selbst und alleine.

Und genau das ist der fatale Fehler.

Deine einzige kurze Auszeit ist die Mittagspause, wenn Dein Angehöriger kurz schläft. Das ist alles, was Dir bleibt.

Doch leider reicht das nicht. Wenn Du Dich damit zufrieden gibst, gibst Du Dich zu schnell zufrieden. Du achtest nicht mehr auf Dich selbst. Dieser Fehler wird Dich irgendwann überholen.

Die Lösung ist: Nimm Dir einen komplett freien Tag pro Woche nur für Dich. Das tut euch beiden gut.

Ich selbst war in genau dieser Situation. Ich dachte, ich schaffe das. Und habe nicht mal gemerkt, wie sehr mich der ganze Pflegealltag schafft.

Mich hat mein Hausarzt aus dieser Dauerschleife erlöst. Er hat gesagt, entweder Sie sorgen besser für sich selbst oder sie kippen bald um. Da war mir klar: So geht es nicht weiter. Das war Klartext.

Meine persönliche Lösung war ein Tagesplatz für meine Mutter in einer Betreuung. Jeden Dienstag wurde meine Mutter – fix und fertig angezogen und im Rollstuhl – abgeholt und nach acht Stunden wieder zurückgebracht.

Für mich begann ein neues Leben! Zunächst wusste ich gar nichts mit den Dienstagen anzufangen. Ich hatte fast vergessen, wie es ist, sich um MICH und nicht um jemand anderen zu kümmern. Ich war komplett aus der Übung.

Ich gewöhnte mir also an, die Dienstage mit etwas Schönem für mich selbst zu verplanen. Ganz bewusst. Für mich. Ich fing an, die freie Zeit zu genießen.  Mit der Zeit immer unbeschwerter und freier. Denn ich wusste ja genau, dass meine Mutter bestens versorgt war. Die Angst und das schlechte Gefühl verschwanden.

Ich kam wieder zu Kräften und habe an meinen Energiespeicher-Dienstagen immer voll aufladen können.

Was für ein Gewinn! Für mich und auch für meine Mutter. Sie kam jeden Dienstag Abend zufrieden und glücklich zurück. Sie hat dort besondere Menschen getroffen und Neues und Schönes erlebt.

Für uns beide war der Dienstag eine schöne Abwechslung mit erfüllenden Erlebnissen. Dank dieser Veränderung konnte ich meine Mutter bis zu ihrem Tod zu Hause begleiten.

Diese gemeinsame Zeit ist für mich ein unvergessliches Geschenk geblieben. Noch heute bin ich unendlich dankbar dafür, das wir diesen Weg zusammen gehen durften.

Dieser eine Tag in der Woche war für uns beide eine schöne Basis dafür, alles andere zu schaffen. Ja, wir haben es geschafft!

Renate G O O D – Coach/Beraterin
Entlastung
für pflegende Angehörige

Mal richtig ausspannen…
Für mehr Sonnenblumenmomente, entlaste ich pflegende Angehörige.

Denk dran:
Achte-auf-Dich.
Gönn-Dir-freie-Zeit.
Nimm-Dich-auch-mal-aus-der-Pflegeverantwortung.